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Bericht von der Verleihung
des Bremer Literaturpreises 2003
Im festlichen Rahmen der Oberen Rathaushalle wurde am 27. März
2003 der Bremer Literatur-
preis an Ulrich Peltzer und der Förderpreis des
Bremer Literaturpreises 2003 an Andreas
Schäfer verliehen.
Der Festakt begann um 12 Uhr mit einer
Begrüßungsrede durch Bremens Kultur-
senator Dr. Kuno Böse, in der er auf die nun
50-jährige Tradition des 1953 gestifteten
Preises einging, der sich inzwischen zu einer
der renomiertesten literarischen Auszeichnungen
in Deutschland entwickelt hat.
Dokumentation
der Rede >>
In seiner Laudatio auf Ulrich Peltzer hob Prof. Dr. Wilfried F.
Schoeller die Montagestruktur des Romans Bryant Park hervor:
»Mir scheint, Ulrich Peltzer hat in seiner artistischen Montage
mehrerlei auf höchst eindringliche Weise zueinander gebracht: er
hat aus all dem New York-Vorwissen, das uns umnebelt, einen suggestiven
Augentext gewonnen, der die Dinge so heranzoomt, dass
sie wie erstmals gesehen, schließlich wie unerhörte unscharfe Vergrößerungen
wirken. (…)
Es ist für sich schon ein ungewöhnliches
Wagnis, sich noch einmal auf New York einzulassen und herausgekommen
ist ein
ungewöhnlicher Wahrnehmungstext, ein
Anblickstext, der nichts erklärt, sondern immer
nur vorzeigt, der die Stadt mit kühlen Nerven
aufnimmt. Kein Zweifel, Ulrich Peltzer erzählt in
Bryant Park von New York und hat ein furioses Stück über
die Beteiligung der Blicke an den Alltagsgeschäften der Metropole
erschrieben.
Und zugleich erzählt er von den Schnittstellen,
an denen das Wort die Moderne wie das
Blinken eines Versprechens aufleuchtet und
wieder erlischt. Damit, zum Beispiel, übt er
sich in der größeren Kunst, sich in der Gegen-
wart selbst zu lesen.«
Dokumentation
der Laudatio von
Prof. Dr. Wilfried F. Schoeller auf
Ulrich Peltzer >>
Ulrich Peltzer skizzierte in seiner Dankesrede
sein neues Romanprojekt Basement und ge-
währte den Zuhörern dabei Einblick in seinen
literarischen Produktionsprozess.
Dokumentation
der Dankesrede
von Ulrich Peltzer >>
In der Rede auf Andreas Schäfer, den Förder-
preisträger 2003 würdigte Andreas Nentwich die
erzählerische Ökonomie des Romanerstlings
Auf dem Weg nach Messara: »(
) mit glanzvollerer
Sprödigkeit als Andreas Schäfer,
der Deutsch-Grieche, kann man nicht debü-
tieren« und betonte die vitale Bereicherung
der deutschen Literatur durch Autoren, die in
zwei Kulturen beheimatet sind: »Und immer
mehr will es mir scheinen, als seien überhaupt
die Bücher der Deutschen mit dem doppelten
Blick, der Deutschländer, die über ein Eltern-
teil oder beide noch eine andere Geschichte,
Konfliktlage, Seelenlage mitbringen, eine
ungarische, kroatische, türkische oder eben
griechische, der eigentliche Kräftestrom in der
jungen deutschen Literatur.«
Dokumentation
der Laudatio von
Andreas Nentwich auf Andreas Schäfer >>
Andreas Schäfer dankte der Jury und der Rudolf-
Alexander-Schröder-Stiftung für die Auswahl und
Förderung. Anhand einer Szene aus Auf dem
Weg nach Messara beschrieb er sein Verhältniss zu seinen
literarischen Figuren: »Es ist wohl so: Man setzt als Autor
seine Figuren in diesen einerseits etwas nebligen, andererseits
auch herrlich klarluftigen Raum der Fiktion, doch wenn die Figur
erst einmal angefangen hat zu exis-
tieren, dann entfaltet sie sich, das heißt, dann handelt,
redet, erinnert oder eben schweigt sie, wie es ihr entspricht. Der
Autor ist ihr zwar nicht ausgeliefert, aber er sollte ein aufmerksamer,
zurückhaltender Begleiter sein, der das Begehren der Figur
vorausahnt, ohne sie zu gängeln, um ihr im richtigen Moment
Auge, Hand, Fuß und Stimme zur Verfügung zu stellen.
Schreiben, so wie ich es erlebe, besteht also viel aus Warten, aus
Lauschen, aus Ruhe bewahren und dann - zack geschehen lassen.«
Dokumentation
der Dankesrede
von Andreas Schäfer >>
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