Reiner Kornberger
Dr. Reiner Kornberger arbeitet als Spanischlehrer an einem Bremer Gymnasium. Seit dem Studium der Ibero- und Galloromanistik hat er sich vorrangig mit den lateinamerikanischen Literaturen sowie der Kultur und Geschichte des Kontinents beschäftigt und zahlreiche Rezensionen und Artikel zu diesen Themen geschrieben. Sein besonderes Interesse als Literaturwissenschaftler gilt dem lateinamerikanischen Judentum. Als Übersetzer widmet er sich mit Vorliebe der spanischen und lateinamerikanischen Lyrik.
In wirrem SÜdamerika –
Bilder des Fremden in der deutschen Trivialliteratur vor 1945
Vortrag von Dr. Reiner Kornberger (Bremen)
Begrüßung: Mercedes de Castro
Büchertisch: Humboldt Buchhandlung
Eintritt 5 Euro / erm. 4 Euro
Dienstag, 1. Februar, 20 Uhr
Instituto Cervantes, Schwachhauser Ring 124
Der aus eigener Anschauung schaffende Friedrich Gerstäcker und der fabulierende Karl May stehen am Anfang des modernen deutschen Abenteuerromans, der auch das tropische Amerika mit seiner an sich schon abenteuerlichen Topographie und den in ihr entstandenen Regionalkulturen zum Sujet des Erzählens werden ließ. Die Haltungen zur beschriebenen exotischen Wirklichkeit reichen dabei von imperialer Aneignung über die selektive Verdichtung zu Klischees bis hin zu reflexiver Distanz zur eigenkulturellen Identität. Die Protagonisten sind Forscher, Luxusreisende, Schatzsucher, Vagabunden, Auswanderer, Exilanten, Missionare, Siedler, Weltdetektive, Freibeuter, Galgenvögel und die »wilde« sowie »halbwilde« native Bevölkerung, von der nicht immer freundlichen Fauna ganz zu schweigen. Der Vortrag unternimmt, sich auf Brasilien und das südliche Südamerika beschränkend, mit opulenter Bildunterstützung den Versuch, die meinungsbildende Effizienz eines in der Vor-Fernsehzeit auf die Köpfe wirkenden Genres zu erkunden.