Zum Thema
 
 
 
›Künstlerische Doppelbegabung – 30. Literarische Woche 2006‹

Die Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung fördert seit 1976 in der Woche der Verleihung des Bremer Literaturpreises die »Literarische Woche«, eine Veranstaltungsreihe, die sich national und international längst einen Namen gemacht hat.

Das Programm der Literarischen Woche wird gemeinsam von einem Kollegium, das aus Vertretern verschiedener Kultureinrichtungen besteht, erarbeitet und vom Bremer Literaturkontor im Auftrag der Stiftung organisiert. Plakat und Programmbroschüre werden an der Hochschule für Künste in Bremen in einer ersten Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema von Studierenden unter Anleitung von Prof. Eckart Jung entworfen und von einer Jury ausgewählt.

Als Prinzip für die inhaltliche Ausrichtung der Literarischen Woche hat sich in den letzten Jahren eine interdisziplinär angelegte Erarbeitung ganz unterschiedlicher Fragen zur Literatur und ihrer Grenzbereiche entwickelt, die in der Vermittlung des jeweiligen Themas auch bewusst immer emotionale und sinnliche Wahrnehmungs- und Verarbeitungsebenen einbezieht und auch auf die Kreativität der Rezipienten selbst hinzielt. Durch die Mitwirkung des Institut français de Brême und des Instituto Cervantes ist zudem immer ein internationaler Kontext in Darstellung und Kooperation angelegt.

2003 wurde z.B. nach den Möglichkeiten und Grenzen der Sprache gefragt, 2004 wurden die 50er Jahre thematisiert und im letzten Jahr mit der Frage »Wo liegt Amerika?« transatlantische Affären gesucht und aufgezeigt. Für 2006 wird mit Blick auf den Namensgeber der Stiftung sowie auf eine ganze Reihe der Bremer Literaturpreisträger selbst (z.B. Günter Grass, Peter Weiss, Christoph Meckel, Raphael Urweider, Elfriede Jelinek) das Phänomen der künstlerischen Doppelbegabung thematisiert.

Künstlerinnen und Künstler, die sowohl Literaten als auch Maler, Graphiker, Musiker, (Innen-)Architekten und/oder Filmemacher sind, werden selber auftreten, ausstellen und lesen bzw. in Vorträgen, Lesungen sowie bei einer Exkursion zum »Günter Grass-Haus – Forum für Literatur und Bildende Kunst Lübeck« präsentiert. Das Programm bietet wie bereits im letzten Jahr eine Veranstaltung speziell für Kinder an und als neues Format ein »Bremer Debüt«, mit dem auch zukünftig jeweils ein Bremer Nachwuchskünstler im thematischen Kontext der Woche gefördert werden soll. Das Kino 46 offeriert mit seinem Filmprogramm –- als fester Bestandteil der Literarischen Woche - wieder einen eigenen Fokus.

Das Thema »Künstlerische Doppelbegabung« fächert sich in den Angeboten der Literarischen Woche breit auf und hinterfragt zugleich fest gefügte Gattungsbegriffe. Am Ende der Woche werden wir mehr darüber wissen, inwieweit sich Doppel- oder sogar Mehrfachbegabungen streng voneinander trennen lassen in der künstlerischen Darstellung, inwieweit sie sich ergänzen, ineinander greifen und ob sie sich in der Nutzung unterschiedlicher Disziplinen vielleicht gleicher oder ganz anderer Themen bedienen; ob sie sich in der Folge externer Zwänge und Einwirkungen entwickelt haben und was es für die Künstler selbst bedeutet, in verschiedenen Disziplinen künstlerisch zu arbeiten.

Erwin Miedtke