Bremer Literaturpreis
 
 
 
Bericht von der Verleihung des Bremer Literaturpreises 2007
Im festlichen Rahmen der Oberen Halle des Alten Rathauses wurde am 26.1. der Bremer Literaturpreis 2007 an Felicitas Hoppe und der Förderpreis des Bremer Literaturpreises 2007 an Saša Stanišić verliehen.

Abbildung: Blick in die Obere Rathaushalle (Foto: Victor Ströver, Bremen; © nordsign, büro für neue medien)
Der Festakt begann um 12.00 Uhr mit der Begrüßung durch Kultursenator Jörg Kastendiek. Herr Kastendiek stellte fest, dass der Bremer Literaturpreis inzwischen eine feste Größe auf der literarischen Deutschlandkarte geworden sei und zu den angesehensten in der Bundesrepublik gehöre.
Abschließend gratulierte der Senator den Preisträgern und dankte der Jury, der Rudolf-Alexander-Schröder Stiftung, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtbibliothek Bremen und der Öffentlichen Versicherung Bremen, die den Förderpreis finanziert hatte, für deren Einsatz für den Bremer Literaturpreis.

Abbildung: Kultursenator Jörg Kastendiek (Foto: Victor Ströver, Bremen; © nordsign, büro für neue medien)
In ihrer Laudatio auf Felicitas Hoppe stellte Dr. Gudrun Boch, Mitglied der Jury, fest, man könne Hoppes Roman »Johanna« als Traumgeschichte auffassen, als Mummenschanz, als ein Spiel, als Satire auf den Wisssenschaftsbetrieb, als Liebesgeschichte. »All das und noch viel mehr lässt der Text zu, entzieht sich zugleich aber der Festlegung auf die eine oder andere Deutung. Denn er ist kapriziös, schlägt viele Richtungen ein, öffnet Echoräume, setzt witzige Pointen, stellt Existenzfragen (»Wer sind wir wirklich?«), legt Spuren zu Felicitas Hoppes früheren Werken mit Wörtern und Sätzen, die wie Geheimcodes den Hoppeschen Kosmos abstecken.«
Die Kritikerin resümierte: »Felicitas Hoppe gelingt das Kunststück, zu einem finsteren Kapitel der Inquisitionsgeschichte ein lichtes, ein helles Buch der Gegenwart zu schreiben. Ein Buch, das Befreiung atmet und jeder Festschreibung auf Botschaften oder Ideologien widersteht. Die Jungfrau von Orleans wird weder vereinnahmt noch instrumentalisiert.«

Dokumentation der Laudatio >>



Abbildung: Dr. Gudrun Boch (Foto: Victor Ströver, Bremen; © nordsign, büro für neue medien)
Michael Sieber, Staatssekretär a.D. und Vorsitzender der Rudolf-Alexander-Schröder- Stiftung, zeichnete anschließend Felicitas Hoppe mit dem Bremer Literaturpreis 2007 aus. Sie erhält ihn für ihren im S. Fischer Verlag erschienenen Roman ›Johanna‹.
»Felicitas Hoppe erhält den mit 20.000 Euro dotierten diesjährigen Bremer Literaturpreis für einen Roman, dem die historische Figur der Johanna von Orleans die Stichworte gibt für ein kühnes Sprachspiel der Verwandlungen und Kostümierungen. Eine Erzählung, die ihrer eigenen Logik des Nonsens folgt und in einem hinreißenden sprachlichen Feuerwerk verglüht.«
(Aus der Begründung der Jury)

Abbildung: Michael Sieber zeichnet Felicitas Hoppe mit dem Bremer Literaturpreis 2007 aus. (Foto: Victor Ströver, Bremen; © nordsign, büro für neue medien)
In ihrer Dankesrede gebrauchte Felicitas Hoppe das Märchen von den Stadtmusikanten zu einer Positionsbestimmung von Literatur: »Auch wenn es auf den ersten Blick manchmal anders scheint: Die Literatur versucht, auf jeweils ganz unterschiedliche Weise, nicht Unordnung und Verwirrung, sondern Ordnung und Sinn zu stiften, indem sie unseren Erfahrungen und unseren Wünschen und Träumen eine Form gibt. Nicht immer gelingt das, aber das ist ja die Kunst: Das Aushalten des Abgrunds zwischen dem, was ist und dem, was wir suchen. Der immer wieder naive, gelegentlich unbeholfene und nicht selten verzweifelte Versuch, eine Brücke über die Schlucht zu schlagen und unverdrossen weiter zu gehen. Aber wer will und wer kann das? Das Märchen tut es.«

Dokumentation der Dankesrede >>

Abbildung: Felicitas Hoppe (Foto: Victor Ströver, Bremen; © nordsign, büro für neue medien)
In seiner Rede auf den Förderpreisträger 2007, Saša Stanišić, sieht das Jurymitglied Andreas Nentwich deutliche Parallelen zwischen dem Autor und seinem Protagonisten Aleksandar: »Selbst, wenn man Aleksandar mit dem Autor nicht gleichsetzen sollte, so wird doch spürbar, dass mit den komischen und rührenden Geschichten und Menschenporträts dieses Buchs ein Vielgeliebter, mit Erzählstoff Genährter freudig Dank abstattet. Sa¹a Stani¹iæ ist ein warmherziger Humorist und, wie ich glaube, ein heimlicher Pathetiker, der mit Witz und Flunkerei vergessen macht, dass er am liebsten jede kleine Schwäche und alles Unvollkommene schönlieben würde.«

Dokumentation der Laudatio >>


Abbildung: Andreas Nentwich (Foto: Victor Ströver, Bremen; © nordsign, büro für neue medien)
Auch die zweite Auszeichnung nahm Michael Sieber vor: Er überreichte Saša Stanišić die Urkunde des Förderpreisträgers des Bremer Literaturpreises 2007. Er erhält ihn für seinen im Luchterhand Verlag erschienenen Roman ›Wie der Soldat das Grammofon repariert‹.
»Die Jury des Bremer Literaturpreises vergibt den mit 6.000 Euro dotierten Förderpreis an Sa¹a Stani¹iæ für seinen Roman >Wie der Soldat das Grammofon repariert<. Mit Hochgeschwindigkeit und nicht enden wollendem Einfallsreichtum beschreibt der Autor die Nähe von Glück und Grauen in Bosnien, den Übergang vom Menschen- in Totentanz, von Freud- in Leidenstränen. In seinem Buch geht rasend eine Welt unter, doch Stani¹iæ weiß diese Welt in einem jungen Lied zu bergen.«
(Aus der Begründung der Jury)

Abbildung: Michael Sieber zeichnet Saša Stanišić mit dem Förderpreis des Bremer Literaturpreises 2007 aus. (Foto: Victor Ströver, Bremen; © nordsign, büro für neue medien)
In seiner Dankesrede ging Saša Stanišić auf den Entstehungszusammenhang seines Romans ein: »Dieser Roman ist sicher auch aus dem Bedürfnis entstanden, meine eigene Vergangenheit einen Stück weit begreifen zu wollen, und verstehen zu wollen, wie und warum eine Welt derart zusammenbrechen konnte. Die emotionale Intensität, die damals mit der Vernichtung des Vertrauens in so viele wertvolle Gefühle einherging, habe ich versucht universell festzuhalten. Die Ereignisse, die ich in den Kriegswochen in Bosnien mitansehen musste, aber auch all das, was ich recherchiert habe, einschließlich der Gegenwart des heutigen Bosniens (auch ein Thema des Romans), lassen sich mit einem Buch nicht einfach erledigen. Das Erzählen und die Diskussion gehen weiter - müssen weiter gehen.«

Dokumentation der Dankesrede >>

Abbildung: Saša Stanišić (Foto: Victor Ströver, Bremen; © nordsign, büro für neue medien)
Für den musikalischen Rahmen des Festakts sorgten
Nicola Thein (Klavier) und Gerhard Stengert (Marimba).

Abbildung: Nicola Thein (Klavier) und Gerhard Stengert (Marimba) (Foto: Victor Ströver, Bremen; © nordsign, büro für neue medien)