20 Years After.
Ortsbegehungen und Autorenbegegnungen
Der Podcast – akustische Begleiterscheinungen zur Literarischen Woche Bremen in 10 Ausgaben
Redaktion: Tim Schomacker (kulturg.u.t)
Mit einem eigenen Podcast präsentiert die Literarische Woche Bremen, entlang des Themenspektrums der »Mauerfälle«, Orte und Autoren, Texte und Zeitläufe in einem radiophonen Format. Hören Sie exklusive Stadtspaziergänge und Autorenbegegnungen, literarische Miniaturen und prägnante Positionen zu 20 Jahren nach der Wiedervereinigung.
Beiträge zu und Gespräche mit Elisabeth Raether, Johannes Jansen, Oliver Holwedel, Jana Hensel, Ines Geipel, Daniel Garcia Andújar, Jan Böttcher, Ulrike Draesner u.v.a
Ein Projekt von kulturg.u.t im Auftrag der
Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung.
kulturg.u.t ist eine radiophile Formatentwicklungs- werkstatt im Kunst- und Künstlerhaus Schwankhalle. Tim Schomacker lebt als freier Journalist, Autor, Performer und Radiomacher in Bremen. 2006 war er »writer in residence« im Virtuellen Literaturhaus Bremen. Seit 2007 ist er Redakteur bei kulturg.u.t.
Folge 8: Allemagne 09 Zero neuf
Seit drei Jahren lebt der französische Journalist und Autor
Olivier Guez in Berlin. Er kam dorthin um für ein Buch
über das Leben der Juden in beiden Teilen Deutschlands nach
1945 zu rechechieren. Die Sammlung biographischer Geschichte(n)
erschien 2007 unter dem Titel »L'impossible
rétour«. 2010 wird es auch in deutscher
Übersetzung herauskommen. Vorher aber erscheint der
dokufiktionale Roman »La chute du mur / Mauerfall«
- und zwar zuerst in deutscher und dann in französischer
Sprache. Vor der Premierenpräsentation im Rahmen der
Literarischen Woche Bremen am 28. Januar berichtet der 1974 geborene
Guez von seinem halben Außenblick auf Berlin, von der
Organisation historischen Materials und davon, wie seine beiden
Deutschland-Bücher zusammenhängen. In der
gleichnamigen Rubrik stellt »20 Years After« den
postum erschienenen Monumentalroman »2666« des 2003
in Barcelaona gestorbenen chilenischen Autors Roberto
Bolaño. Der Politikwissenschaftler Mathias Albert
schließlich verrät, wie viel
»Ost« und »West« in der von ihm
betreuten Shell-Jugendstudie zu finden ist.
Dateigröße: 15,2 MB, Abspieldauer: 33:22
Folge 7: Europäische Netzwerke und gesamtdeutsche Elterngeschichten
»Zurück nach Berlin zu kommen, war mein erklärtes Ziel«, sagt Elisabeth Raether. Seit einem Jahr lebt die 30-Jährige wieder in der Stadt, in der sie studiert hat – aus dem Küchenfenster schaut man über Hinterhöfe auf den Fernsehturm am Alexanderplatz. Eine Perspektive, die gut passt, gleicht Raether doch in »neue deutsche Mädchen« gemeinsam mit Jana Hensel auch ostwestliche Blickwinkel ab. In der siebten Ausgabe von »20 Years After« berichtet sie von einer »Stadt, in der es keine Erwachsenen gibt«, von Begegnungen mit Texten und Menschen sowie von der Suche nach Erzählformen für junge Biographien. Der Philosoph Volker Caysa erzählt, wie das Datum 1989 die europäischen akademischen Betriebe in Bewegung brachte. Ein kurzer Blick in Michal Hvoreckys Roman »City« schließlich erkundet eine futuristisch-slowakische Version des Nach-Wende-Berlin.
Dateigröße: 13,1 MB, Abspieldauer: 28:41
Folge 6: Verfeinerung der Einzelheiten
»Schlackstoff«, »Reisswolf« und »Splittergraben« hießen die Bücher, die der 1966 geborene Johannes Jansen in der ersten Hälfte der 1990er Jahre veröffentlichte. Titel, die in ihrer knappen Vehemenz auch etwas Seismographisches haben. Ein Jahrzehnt zuvor war Jansen in den poetischen Underground am Prenzlauer Berg eingestiegen. Heute wohnt er noch in der selben kleinen Pankower Wohnung wie damals – und schaut – 20 Jahre nach 1989 – zurück in die Gegenwart. Während des Gesprächs liest er zwei Texte, die seine literarische Entwicklung angesichts dieser Daten illustrieren – der Weg zur Verfeinerung der Einzelheiten. Anschließend eine Lektüre des »deutschlandbuchs« von Nobelpreisträger Kenzaburo Oe – »Tagame« spielt beim der Selbstvergewisserung einer älteren Schriftstellerfigur über die Bande Berlin.
Dateigröße: 13,1 MB, Abspieldauer: 28:39
Folge 5: Krawallbezirke und Modeerscheinungen
Der Bremer Autor Oliver Hollwedel gehört zur der Generation, die die alte DDR und die alte BRD kaum noch aus eigener lebendiger Erinnerung kennt. Er berichtet von Erzähl- und Erkundungsstrategien, von norddeutschen Verwandten und aktuellen Interessenlagen. Fast so alt wie Hollwedel ist die Musikzeitschrift »Positionnen«. Die Herausgeberin des 1988 gegründeten Periodikums für »aktuelle Musik« erzählt, woher ihr Nachdenken über musikalische Zeitgenossenschaft kommt, wie sich die Aktualität in den vergangenen 20 Jahren verändert hat und was sich in der der Musikgeschichte der DDR immer noch Neues finden lässt. Abschließend besuchen wir mit dem großen Comic-Autor Art Spiegelman das Rostock des Jahres 1992.
Dateigröße: 13,1 MB, Abspieldauer: 28:39
Folge 4: Krawallbezirke und Modeerscheinungen
Auch als ein Versuch zur gesamtdeutschen Psychotopographie lässt sich Ines Geipels Roman »Heimspiel« (2005) lesen. Die 1960 in Dresden geborene Schriftstellerin lässt eine junge Frau mit vielen anderen das Land verlassen. Per Zug. Und über Budapest. Sich vom Datum 1989 weit entfernend, spannt Geipel ein zeitgeschichtliches Szenario, das ins Riga der 1940er Jahre zurückreicht und über das Ende der DDR hinaus in jene Gegenwart reicht, in der die frühere Hochleistungssportlerin und spätere Literaturhistorikerin und Schauspieldozentin Ines Geipel heute lebt. Und zwar in Berlin-Kreuzberg, wo sie von Annäherungen an die eigene Identität berichtet. Im Anschluss folgt eine Lektüre von Andrezej Stasiuks »deutschlandbuch«, das in strikt falschem Polnisch >Doijzland< heißt. Abschließend berichtet der Kurator Peter Friese von seinen Begegnungen mit dem Kunstphänomen »Neue Leipziger Schule«.
Dateigröße: 14,7 MB, Abspieldauer: 32:15
Folge 3: Gassigehen im Thälmannpark
In der dritten Ausgabe des Podcasts hören Sie Auszüge aus einem Gespräch mit Ulrike Draesner. Seit Mitte der 1990er Jahre wohnt die 1962 in München geborene Lyrikerin, Essayistin und Romanautorin in Berlin. Eingebettet in den Versuch, Draesners Schreibarbeit mit der vielschichtigen sozialen Topographie dieser Stadt kurzzuschließen, erzählt Draesner von alten englischen Offizieren, medialen Entwicklungen und den Verbindungslinien zwischen ihrem Lebensort und jenen »berührten orten«, die ihrem letzten Gedichtband den Titel gaben. Im Anschluss beschäftigt sich der Gesellschaftstheoretiker Christoph Spehr mit dem aktuellen Marx-Revival.
Dateigröße: 12,3 MB, Abspieldauer: 27:03
Folge 2: Von emotionalen Zonenrandgebieten und der Fernsehwerbung
In der zweiten Ausgabe von 20 years After, dem Audiopodcast zur Literarischen Woche 2009, erzählt der 1973 geborene Autor und Sänger Jan Böttcher von seinen Zugängen zu gesamtdeutschen Gefühlslagen, vom Aufwachsen im Zonenrandgebiet West und davon, wie er mit seinem letzten Roman, »Nachglühen«, über die Elbe setzte. In der Rubrik »Deutschlandbücher« geht es um die Kolumnen des Schweizers Peter Bichsel aus den Jahren 1989/90.
Dateigröße: 10,7 MB, Abspieldauer: 23:31
Folge 1: Vom eigenen Frausein und dem »natürlichen Roman«
Sie habe ihre ostdeutsche Herkunft wie das eigene Frausein erst spät erfahren, sagt Jana Hensel in »neue deutsche Mädchen«. Im Gespräch berichtet die 1976 in Leipzig geborene Autorin, Journalistin und Übersetzerin von editorischen Erlebnissen, gesamtdeutschen Städtebildern und der Zusammenarbeit mit ihrer Koautorin Elisabeth Raether. Im Anschluss daran gibt es knappe Einschätz- ungen des bulgarischen Autors Georgi Gospodinov, der in »Natürlicher Roman« Identitäten in Zeiten der Umbrüche untersuchte.
Dateigröße: 20,3 MB, Abspieldauer: 29:04