
Sehr geehrte
Herr Dr. Richter,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
Almut Straßburg-Grönzin für die Bremer
Volkshochschule und ich, Erwin Miedtke, für die
Stadtbibliothek Bremen heißen Sie herzlich willkommen hier im
Wall-Saal der Zentralbibliothek zu unserem gemeinsamen Auftakt der 33. Literarischen Woche Bremen.
Ich begrüße Sie zugleich auch im Namen der
Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung und der Planungsgruppe.
Bevor wir in den heutigen Abends einsteigen, erlauben Sie mir
bitte eine Einführung in das Thema und einen kurzen
Überblick über das Programm der 33. Literarischen
Woche Bremen. Die Woche rankt sich um
• die Verleihung des Bremer
Literaturpreises am 26. Januar im Bremer Rathaus
• die Vorabendlesung der beiden
Preisträger am 25.1. um 18 im Bremer
Schauspielhaus und
• um die Abendveranstaltung am
26.1.; bei der die beiden Preisträger auf Einladung der
Stiftung zwei Autoren vorstellen, denen sie besonders verbunden
fühlen.
Diese Veranstaltungen sind öffentlich und kostenlos.
Für die Literarische Woche haben wir zusammen mit 10
Kooperationspartnern ein breites Programm aufgelegt,
mehr als 20 Autorinnen und Autoren, Künstler und weitere
Gäste nach Bremen eingeladen, die alle ihren ganz eigenen
Beitrag leisten zu der interdisziplinären Betrachtungsweise,
die ja das ganz Besondere der Literarische Woche Bremen ausmacht. Die
Schnittstelle zwischen Literatur, Kunst, Wissenschaft und Medien.
Nach den Familiengeheimnissen im letzten Jahr haben wir in diesem Jahr
das wohl aktuellste Thema der deutsche Zeitgeschichte gewählt:
den Mauerfall von 1989, der in diesem Jahr 20 Jahre her sein wird und
den wir unter das Thema »Mauerfälle.
Deutschland 20 Jahre danach. Literatur, Kunst, Medien«
gestellt haben.
Der Titel weist in seinem Plural
»Mauerfälle« auch auf unsere Intention
hin, insbesondere auch die biographischen Brüche in den Fokus
zu nehmen und in welcher Weise sie den Mauerfall erlebt und
wahrgenommen haben.
Wir wollen an ausgewählten Beispielen zeigen, wie sich
Literatur, Kunst und Film mit diesem gewaltigen gesellschaftlichen
Umbruchprozess in Deutschland befasst und wie sie ihn reflektiert
haben. Einen ganz besonderen Beitrag dazu stellt das Kino 46 am
Sonntag, den 1.2.09, vor mit dem Film »Auge in
Auge« – eine deutsche Filmgeschichte von Hans
Helmut Prinzler! Ein Film der zeigt, wie nah uns – in Wirklichkeit ist,
was uns fern erscheint.
Der Regisseur ist anwesend und wird sich im Gespräch
äußern.
Den Rahmen für diese Literarische Woche bietet die hier im
Saal präsentierte Ausstellung mit Fotos der Berliner Autorin
Irina Liebmann. Die hier gezeigten Arbeiten werden uns während
des gesamten Zeitraums der LitWo begleiten. Diese Ostberliner Ansichten
der Großen Hamburger Str. aus den letzten Tagen der DDR
erzählen unendlich viel von der Vielfalt Berlins und seinen
Gegensätzen. Berlin steht als Gradmesser für den
politischen wie gesellschaftlichen Zustand unseres Landes.
Eines der ästhetischen Prinzipen für diese
Ausstellung ist das Prinzip
»Realität als Rohstoff« – dieses
gilt aber ebenso für viele Romane zum Thema.
In der deutschsprachigen Literatur ist seit geraumer Zeit eine
deutliche Rückkehr des Politischen zu konstatieren. Die
Konjunktur des zeitgeschichtlich orientierten Romans wird auch im
Zusammenhang mit der Suche nach den historischen Linien in der
deutschen Geschichte gesehen.
Viele Autorinnen und Autoren gehen in ihren Büchern weit
zurück in die deutsche Geschichte. Und so schlagen auch wir in
einzelnen Beiträgen den Bogen auf 60 und 100 Jahre
Deutschland. Wir stellen z.B. aber auch fest, dass jüngere
Menschen aus beiden Teilen nach 20 Jahren Wende mit einem
ähnlich distanzierten Blick auf die jüngere
Geschichte zurückschauen. Jana Hensel aus Ost- und Elisabeth
Raether aus Westdeutschland werden uns das beweisen in ihrer
Matineelesung zusammen mit der ehemaligen DDR-Spitzensportlerin und
heutigen Vers-Professorin, Ines Geipel, am kommenden Sonntag, um 12h
hier im Saal.
Die von uns eingeladenen Autorinnen und Autoren zeigen mit ihren
vorgelegten Büchern und Beiträgen, dass sie das Thema
aus unterschiedlichen Aspekten angehen. Ein ganz spannendes Projekt
dazu hat das Bremer Literaturkontor aufgelegt: Junge Bremer Autorinnen
und Autoren, die den Mauerfall als Kinder erlebt haben, lesen eigene
Texte und diskutieren zum Thema »Zwischen Familiengeschichten
und Gegenwartsbarrieren«.
Um eben diese Barrieren zu überwinden, ist der Dialog zwischen
Ost und West wichtig. Aber ebenso wissen wir, dass es immer noch immer
Vorbehalte zwischen den Menschen aus Ost und West im vereinigten
Deutschland gibt. Das zu thematisieren ist Ziel sowohl des heutigen
Abends als auch Abschlussabends am Samstag, den 31.1.2009 im
Concordia Theater.
Michael Jürgs, ehemals Chefredakteur des Stern und von
tempo, und seine Koautorin Angela Elis aus Leipzig ziehen vom
jeweiligen Standpunkt, Ost oder West, gewaltig vom Leder, alles kommt
auf den Tisch, Ressentiments, Missverständnisse, Unkenntnisse.
Dabei spielen natürlich Erlebnisse und Erfahrungen aus der
Zeit vor der Wende eine wesentliche Rolle.
Als weitere Gäste haben wir den jungen Romanautor Jan
Böttcher dabei. Er erzählt in seinem Roman
»Nachglühen« von einem Redakteur aus
Göttingen, der mit seiner Frau beschließt, den
elterlichen Gasthof in seinem Heimatdorf im einstigen DDR-Sperrgebiet
an der Elbe zu übernehmen. Hier jedoch verbindet trotz
Wiedervereinigung immer noch keine Brücke die beiden Ufer.
Überhaupt scheint alles beim Alten. Jan Böttcher
sorgt auch für die Musik. Weiterer Gast der von Silke Behl
moderierten Veranstaltung ist Ulrike Draesner, die als Autorin und
Lyrikerin einen ganz eigenen Weg der Auseinandersetzung mit diesem
deutschen Thema gefunden hat.
Ein ganz besonderes Beispiel für eine sehr
persönliche Auseinandersetzung ist Irina Liebmann, die mit
ihrem autobiographischen Buch über ihren Vater Rudolf
Herrnstadt einen Akteur der Zeitgeschichte vorstellt, der als
überzeugter Kommunist am System der DDR scheitert und als
Mitverantwortlicher für den Volksaufstand am 17. Juni 53 in
die Provinz verbannt wird. Wir freuen uns ganz besonders, dass wir das
auch in Öffentlichkeit so präsente Buch und seine
Autorin, die dafür mit dem Leipziger Buchpreis ausgezeichnet
wurde, hier in Bremen vorstellen zu können.
Nach diesen vielen Blicken auf uns selbst ist auch der Blick von
außen auf Deutschland spannend. Das Institut Francais
lädt am Mittwoch , 28.1., um 19.30h den
französischsprachigen und in Berlin lebenden Autor Olivier
Guez ein, der in einer zweisprachigen Veranstaltung seine Erfahrung mit
La Chute de Mur/ also »Dem Mauerfall«
vorträgt. Er liest aus seinem gleichnamigen Roman, der in der
Übersetzung im März in Deutschland erscheinen wird
und erst im Mai i Frankreich – also eine
Weltpremiere ist zu erleben. Dabei ist sein Übersetzer Helmut
Reuter aus München.
Die Erfahrung von Teilung und realen Mauern zwischen Menschen greift
der spanische Künstler Daniel Garcia Andujar auf in seiner
Videoinstallation jetzt am Samstag um 18h im Neuen Museum Weserburg. Er
thematisiert in besonderer Weise in einer speziell für Bremen
erarbeiteten Aktion die Ereignisse von 1989 und die bis heute
andauernden Folgen.
Ich komme zum Schluss und weise Sie noch auf unsere Homepage hin –
www.literarischewoche.de –
auf der sie nicht nur das Programm, sondern auch in der 10 verschiedene
Podcast anklicken und anhören können. Podcasts, die
sie weiter in das Thema der Woche einführen, Ihnen die
Gäste schon einmal im Interview vorstellen. Autor ist Tim
Schomacker, der viele unserer Gäste, die fast alle in Berlin
leben, besucht hat und ein ganz eigenes Werk für die 33. Literarische Woche Bremen geschaffen hat.