Montag, 20. Januar (2)

Vor der Preis­ver­lei­hung im Bre­mer Rat­haus: Tonio Scha­chin­ger (För­der­preis­trä­ger des Bre­mer Lite­ra­tur­prei­ses 2020), Bür­ger­meis­ter Dr. Andreas Boven­schul­te (Sena­tor für Kul­tur), Bar­ba­ra Honig­mann (Preis­trä­ge­rin des Bre­mer Lite­ra­tur­prei­ses 2020), Micha­el Sie­ber (Vor­sit­zen­der der Rudolf-Alexander-Schröder Stif­tung), Bar­ba­ra Lison (Geschäfts­füh­re­rin der Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung). Foto: © Vic­tor Strö­ver, nord­sign, Bre­men

Bre­mer Lite­ra­tur­preis 2020 ver­lie­hen
Im Rah­men eines Fest­akts wur­de heu­te Mit­tag in der Obe­ren Hal­le des Bre­mer Rat­hau­ses der Bre­mer Lite­ra­tur­preis 2020 der Rudolf-Alexander-Schröder- Stif­tung an Bar­ba­ra Honig­mann ver­lie­hen für ihren Roman »Georg«. Die Jury lob­te: »Das in poe­ti­scher Pro­sa gezeich­ne­te Por­trät eines Bon­vi­vant, Kom­mu­nis­ten und deut­schen Juden ver­ge­gen­wär­tigt die Geschich­te des zwan­zigs­ten Jahr­hun­derts, indem es in die Abgrün­de die­ser Figur blickt. Es ver­bin­det die Genau­ig­keit des Nah­blicks auf die cha­rak­te­ris­ti­schen Details der Per­son mit hell­wa­cher Auf­merk­sam­keit auf die bedrän­gen­den Zeit­um­stän­de und deren Bio­gra­fie.« Jury­mit­glied Dr. Lothar Mül­ler hob in sei­ner Lau­da­tio an Honig­manns Roman beson­ders als posi­tiv her­vor, dass es kein Fazit, kein abschlie­ßen­des Urteil der Toch­ter über das Leben ihres Vaters gibt. Statt­des­sen, so Mül­ler, gibt es eine »Leer­stel­le« der nicht geschrie­be­nen Lebens­er­in­ne­run­gen ihres Vaters: »Es gilt man­chen Lesern als Ärger­nis, wenn eine Figur nicht aus­er­zählt ist. Bar­ba­ra Honig­mann aber ist für die gro­ße Kunst zu loben, mit der sie in ›Georg‹ von ihrem Vater erzählt, ohne ihn aus­zu­er­zäh­len.«*
Tonio Scha­chin­ger erhielt den För­der­preis für den Roman »Nicht wie ihr«. Die Jury begrün­de­te ihre Wahl: »Der Roman ›Nicht wie ihr‹ ist viel mehr als ein milieu­ge­treu­es Fuß­ball­buch: Mit sei­nem Hel­den Ivo Tri­fu­n­o­vić zeich­net der Autor das Bild eines Pro­fi­ki­ckers aus Wien, der mit Witz und kon­trol­lier­ter Wut auf Zumu­tun­gen des Busi­ness, eth­ni­sche Vor­ur­tei­le und eine vor­ge­stanz­te Spra­che reagiert, ein Macho, haar­sträu­bend und bei­na­he lie­bens­wert.« Dr. Danie­la Strigl, Jury­mit­glied des Bre­mer Lite­ra­tur­prei­ses, stell­te gleich zu Beginn ihrer Lau­da­tio für den För­der­preis­trä­ger fest: »Tonio Scha­chin­ger zu loben ist sehr schwer und sehr leicht. Sehr leicht, weil man aus sei­nem Debüt nur recht aus­gie­big zitie­ren muss, damit es klug wird und lus­tig. Sehr schwer aus dem­sel­ben Grund. Es ist dem Buch nichts hin­zu­zu­fü­gen. Die Lat­te liegt hoch und sie ist bereits erreicht.«
Bre­mens Bür­ger­meis­ter, Kul­tur­se­na­tor Dr. Andreas Boven­schul­te, gra­tu­lier­te Bar­ba­ra Honig­mann und Tonio Scha­chin­ger zu ihren Aus­zeich­nun­gen. In sei­ner Rede wür­dig­te er die Fan­ta­sie und Fabu­lier­lust, die Neu­gier und das Erkennt­nis­in­ter­es­se als Antrieb gro­ßer Lite­ra­tur. »Es ist die Empa­thie der Schrift­stel­le­rin­nen und Schrift­stel­ler, die uns anspricht, uns mit­füh­len lässt, eine zutiefst mensch­li­che Qua­li­tät, die die Ver­bin­dung zwi­schen Autor, Text und dem Leser und der Lese­rin her­stellt. Im Buch spricht der Mensch zum Men­schen, erst die­ser Dia­log macht das Werk leben­dig«, sag­te der Kul­tur­se­na­tor, der sich bei der Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung und der Stadt­bi­blio­thek Bre­men für die Ver­ga­be des Lite­ra­tur­prei­ses und die Aus­rich­tung der Lite­ra­ri­schen Woche bedank­te.  [Mehr zu der Ver­an­stal­tung fin­den sie hier >>]

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Alle Ver­an­stal­tungs­fo­tos © Vic­tor Strö­ver, nord­sign

Die Lau­da­tio­nes auf Bar­ba­ra Honig­mann und Tonio Scha­chin­ger und die Dan­kes­re­den der Preis­trä­ger, die bei der Ver­lei­hung des Bre­mer Lite­ra­tur­prei­ses 2020 gehal­ten wur­den, kön­nen sie hier nach­le­sen:
Lau­da­tio auf Bar­ba­ra Honig­mann, gehal­ten von Dr. Lothar Mül­ler (pdf-Datei, 168 kB) >>
Dan­kes­re­de von Bar­ba­ra Honig­mann (pdf-Datei, 105 kB) >>
Lau­da­tio auf Tonio Scha­chin­ger, gehal­ten von Dr. Danie­la Strigl (pdf-Datei, 168 kB) >>
Dan­kes­re­de von Tonio Scha­chin­ger (pdf-Datei, 220 kB) >>
* Die Wie­der­ga­be der Redein­hal­te der Juro­ren und des Kul­tur­se­na­tors folgt der Pres­se­mit­tei­lung der Rudolf-Alexander-Schröder-Gesellschaft.