Thema
34. Literarischen Woche Bremen 2010:
»Der Mann in der Krise?«
Literatur, Kunst und Film als Seismographen gesellschaftlicher
Entwicklungen haben sie längst zum Thema gemacht:
Männer, die scheinbar dabei sind, sich in die Geschichte zu
verabschieden. Traurige Helden wie geschiedene Kommissare, denen die
eigenen Kinder nicht mehr trauen; Manager, die Selbsterfahrungskurse
besuchen und sich das Doppelkinn liften lassen und
Machtmänner, die offen schwul leben. Öffentlich
gebrochene Existenzen sind kein Einzelfall mehr, sondern inzwischen die
Regel. Selbst im populärsten Film ist der Held nur noch als
vielfach beschädigter Mann vorstellbar. Alles, was einmal als
männlich galt wie Fußball, Saufen, Rauchen, Sex
taugt nicht mehr für den modernen Mann. Entsprechender
Attribute beraubt schaut er in eine Welt, die nicht mehr in
männlich und weiblich organisiert ist, in der
männliche Identitäten neu und anders zu konstruieren
und Krisen auch für Männer vorprogrammiert sind. Eine
Welt, in der Söhne erleben wie ihre Väter an den
Erfordernissen von Kultur und Zivilisation scheitern auch in der
vergeblichen Hoffnung, der Sohn wird es richten.
Die 34. Literarische Woche Bremen stellt mit Blick auf aktuelle
Produktionen aus Literatur, Kunst und Film die Frage nach dem Mann in
der Krise und hat dazu in Kooperation mit vielen Bremer Einrichtungen
Autorinnen und Autoren eingeladen, um in Lesungen und
Gesprächen das Thema unter verschiedenen Blickwinkeln und in
vielfältigen Formaten darzustellen sowie Erfahrungen und
Begegnungen mit Frauen und Männern diesseits und jenseits der
Krise zu vermitteln. Von der Homepage www.literarische-woche.de
abrufbare Podcasts, die Hausbesuche und Spaziergänge mit den
eingeladenen Gästen der Literarischen Woche Bremen im
Radioformat dokumentieren, stimmen im Vorfeld der Woche auf das Thema
ein. Einen optischen Rahmen schaffen aufregende Bilderserien des
amerikanischen Malers Casey McKee »Robber Barons«,
die im Wall-Saal der Zentralbibliothek gezeigt werden.