34. Literarische Woche Bremen: »Der Mann in der Krise?« 21.01-30.01.2010
Podcast
 
 
 
ab Montag, 4. Januar
»Jungssachen«
Podcast zur Literarischen Woche 2010

Redaktion: Tim Schomacker (kulturg.u.t)
Exklusiv auf www.literarische-woche.de

Männer. Krise. Hier gilt es, wie meist, wenn es um Identitäten und Lebensläufe geht, sinnvoll Fragezeichen zu setzen. Welcher Mann? Was für eine Krise? Verändert sich Männliches in Zeiten, da die eine Krise, die ökonomische, so sehr in aller Munde ist, dass viele sie nur noch »K-Wort« nennen. Oder ist sie, die Männlichkeit selbst in eine Krise geraten, die mit jener anderen nur am Rand zu tun hat? Tut letzteres gar gut?

Identitätskonstruktionen zu reflektieren und Biographien nachzuzeichnen (oder auch im Konjunktiv zu entwerfen), gehört zu den ureigensten Betätigungsfeldern der Literatur. Als eigensinnige und subjektive Krisenphänomenologie des Geschlechts unternimmt dieses radiophone Format einen Annäherungsversuch. Hören Sie Hausbesuche bei und Spaziergänge mit den Gästen der Literarischen Woche. Außerdem schaut Tim Schomacker für Sie fern, blättert in einschlägigen und abseitigen Büchern und begegnet Männern und Frauen diesseits und jenseits der Krise. Und zwar gerade so eigensinnig und subjektiv wie es sich für einen Annäherungsversuch gehört.

Neben Beiträgen zu und Gesprächen mit Michael Roes, Casey McKee, Marlene Streeruwitz, Roman Graf, Andrés Neumann, André Rauch, Finn-Ole Heinrich, Ines Kappert, Gunther Geltinger kommen Expertinnen und Experten aus ganz unterschiedlichen Lebensbereichen zu Wort. Und jede Ausgabe schließt mit einer 99 Worte langen Momentaufnahme aus der Geschichte der Männerbilder.

Tim Schomacker, Jahrgang 1973, lebt als freier Journalist, Schriftsteller, Radiomacher und Musiker in Bremen.

Eine Produktion von kulturg.u.t in Zusammenarbeit
mit der Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung und dem Literaturhaus Bremen
 

Abbildung: Symbolbild Podcast Literarische WocheAbbildung: Tim Schomacker (Foto: © Johann Peter Eickhorst)
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Ausgabe 10: Helden des Alltags
Gemeinsam mit Finn-Ole Heinrich entwarfen Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule West männliche, weibliche und geschlechtsneutrale Superheldenfiguren. Für die letzte Episode dieses Podcasts stellen Lara Gerken, Samira Kaya, Soeren Horstmann, Jan Heinzmann, Lanny Ilelejy und Jerome Dekadjeri ihre Texte vor und berichten von der Verbindung zu ihrem Alltag. Die letzte Momentaufnahme wagt einen Kurzschluss zwischen dem diesjährigen Preisträgerroman von Clemens J. Setz und der Sesamstraße.

Dateigröße: 17,4 MB, Abspieldauer: 38:11

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Ausgabe 9: Wanderschaften
Mit »Herr Blanc« hat der in Leipzig lebende Schweizer Roman Graf einen eigenartigen Angestelltenroman geschrieben. Und zwar einen, der 2010 mit dem Förderpreis des Bremer Literaturpreises ausgezeichnet wird. Von seinen früheren Leben als Forstwirt und Journalist, von der Zeit, die man zwischen das Studium am Leipziger Literaturinstitut und einen Romantext legen muss und über die Arbeit an »Herr Blanc« hat er bei einem Besuch im winterlichen Sachsen erzählt. Nach einigen Betrachtungen zur Architektur von Marlene Streeruwitz’ Roman Kreuzungen (30. Januar, Wallsaal) findet die abschließende Momentaufnahme mit Bob Dylan ein zeitgemäßes Alias in ungewohnter Umgebung.

Dateigröße: 13,5 MB, Abspieldauer: 29:32

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Ausgabe 8: Ortswechsel
Als Räume für Männerkörperbildung betrachtet André Rauch die Sporthallen und Boxarenen. Im zweiten Teil eines Telefonats berichtet der Straßburger Soziologe von Männern in den Gender Studies, epochalen Ortswechseln und sein wissenschaftliches Interesse an der Intimität. Mit dem ehemaligen Werderprofi und heutigen Nachwuchsmanager Uwe Harttgen sprechen wir darüber, wie sich – mit dem Fußball – auch der sportliche Nachwuchs verändert hat. Die abschließende Momentaufnahme betrachtet einen gespielten Musiker im Kleid – und denselben Schauspieler bald drauf im Polohemd.

Dateigröße: 15,8 MB, Abspieldauer: 36:07

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Ausgabe 7: Abwaschwasser
Im Rahmen der Literarischen Woche begegnen Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule-West dem Hamburger Autor Finn-Ole Heinrich. In dieser Ausgabe des Podcast hören sie eine Radiocollage nach einem Gespräch, in dem fünf von ihnen vor Lesung und Workshop über Jungssachen sprachen, die sich manchmal ganz anders anhören als man es vielleicht bei 15-Jährigen vermuten würde.
Der Politikwissenschaftler Christoph Spehr überlegt, ob Männer von Spongebob lernen können. Nach einer Annäherung an die das Allgemeine im Besonderen aufsuchenden Vater-Sohn-Beziehungen in den Bücher von Nick Flynn setzen wir uns für eine Momentaufnahme zu Bill Murray aufs Sofa.
Dateigröße: 15,8 MB, Abspieldauer: 27:54

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Ausgabe 6: Lebensverarbeitungsprogramme
Ob es sinnvoll ist, eine Kulturgeschichte des Mannes zu schreiben, fragt der Straßburger Soziologe André Rauch (27. Januar, 19.30 Uhr, Institut Francais). Und schlägt beim Antwortversuch den Bogen von der französischen Revolution zum Christopher Street Day. Im zweiten Teil der Begegnung mit Gunther Geltinger (24. Januar, 12 Uhr, Wallsaal) erfahren wir, wie Häuser ein Eigenleben führen, warum sich Bücher wie Lebensverarbeitungsprogramme lesen lassen, ob sich ein Entwicklungsroman heute noch schreiben lässt, und warum eine schwule Figur noch keine schwule Literatur macht. Der Bremer Künstler Harald Busch erzählt, wie er einmal Männer gesammelt hat, die zeigen, was sie haben. Schließlich schaut eine Momentaufnahme dem Moses des Michaelangelo beim Zaudern zu.
Dateigröße: 15,8 MB, Abspieldauer: 34:37

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Ausgabe 5: Asiatische Eröffnung
Er müsse immer vor Ort gewesen sein, um das bestehende Material zu erden, sagt Michael Roes. Wie bei Hubert Fichte oder Michel Leiris fallen bei Roes Schreiben und Unterwegssein, Essay und Roman notwendig zusammen. 1997 erhielt Michael Roes für »Leeres Viertel« den Bremer Literaturpreis. Das Ergebnis seiner beiden wohl schwierigsten Reisen lesen wir in den letzten beiden Büchern: Für »Ich weiß nicht mehr die Nacht« (2008) ging es zurück an den Niederrhein seiner Jugendzeit. Für »Die fünf Farben Schwarz« (2009) folgte eine Erstbegegnung mit China – einem Land, in dem er sich so fremd gefühlt habe, wie nie zuvor in seinem Leben. Bei einem Besuch in seiner Berliner Wohnung berichtet Roes vom Älterwerden seiner Bücher, seiner Erzählfiguren und nicht zuletzt des reisenden Roes selbst. Und erklärt, wie mit »Die fünf Farben Schwarz« neue Lebensthemen und -krisen sich seines Protagonisten bemächtigen. Während der Literarischen Woche liest und diskutiert er in einer Matinee gemeinsam mit Gunther Geltinger (24.01., 12 Uhr, Wallsaal). Von den Stand- und Spielbeinen der Geschlechterbilder berichtet der Leiter des Gerhard-Marcks-Hauses, Arie Hartog, bei einem beherzten Sprint durch die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts. Eine Momentaufnahme fragt schließlich, warum der Philosoph Slavoj Zizek im Bühnenbild von Vertigo an Kim Novaks Platz sitzt – und nicht an dem von James Stewart.
Dateigröße: 17,0 MB, Abspieldauer: 37:12

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Ausgabe 4: Schneewehen
Auf Rügen steht die Ruine eines Schlosses. Ganz in die Nähe zieht sich Gunther Geltinger zurück, wenn er schreibt. Autor und Besucher stapfen durchs Schneefeld, das den Schlosspark verhüllt. Es ist kalt. Geltinger verlässt plötzlich den kaum erkennbaren Weg, hier ist der Schnee noch höher. Er geht zu einem eigenwillig verwachsenen zugleich aber würdevollen Baum - und entwickelt anhand der Linienführung und Verästelung seine Idee von einem Roman. Der, mit dem er am 24. Januar bei der Literarischen Woche zu Gast ist, heißt Mensch Engel. Er handelt vom anstrengenden Versuch des Protagonisten, die verschiedenen Versionen seinen Lebens über einander zu bringen. Geltinger berichtet von Vaterfiguren und Naturbildern, von Häusern, die sich permanent verändern, und seiner Sicht auf die Regelwerke männlicher Sozialisation. Der Literaturkritiker Denis Scheck mag es nicht, wenn aus der Literatur ein Auskunftsbüro für die Gegenwart wird. In einem kurzen Telefonat spricht Scheck über den schwierigen Abgleich der Literatur mit der Wirklichkeit und die Herausforderung, welche die Verlangsamungsstrategien in den Texten Wilhelm Genazinos für ihn bedeutet hat. Abschließend eine Momentaufnahme zu einer traurigschönen Zeichnung des Kleiner-Nick-Erfinders Sempé.
Dateigröße: 14,3 MB, Abspieldauer: 31:21

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Ausgabe 3: Räuberbarone
Warum eigentlich müssen derzeit so viele Serienhelden auf die Couch? Mit dem Ermittler, dem Gangsterboss und dem Charmeur schickte das amerikanische Serienfernsehen in der letzten Zeit gleich drei seiner Basischaraktere in Therapie. Midlife-Crisis, Rollenverunsicherung, Traumatisierungen – in mehrfacher Hinsicht stecken die jüngeren TV-Helden in jenen Krisen, die auch im wirklichen Leben Biografien bestimmen. Der Maler Casey McKee, der seit einigen Jahren in Berlin lebt, hat sich immer wieder eines Männertypus' angenommen, zu dessen Berufsleben per definitionem keine Erschütterungen passen - das mittlere Management. Anzugträger finden sich in McKees großformatigen Bildern - die stets auf fotografisch-performativen Inszenierungen basieren - an vielen Orten, nur nicht in den Angestelltenbüros, in denen man sie eigentlich vermuten würde. Für seine neue Serie »Robber Barons« (ausschnittweise bis 20. Februar im Wallsaal der Stadtbibliothek zu sehen) griff der 1976 in Arizona geborene McKee mit Fotografien aus dem amerikanischen Bürgerkrieg erstmals auf historisches Bildmaterial zurück. Der transatlantische Bilder-Blick dieser Episode gipfelt in einer Momentaufnahme aus dem Oeuvre des großen amerikanischen Fotografen Weegee – das eine Frau portraitiert.
Dateigröße: 14,2 MB, Abspieldauer: 31:12

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Ausgabe 2: Frauenhaushalt
Ob die Existenzen in seinen Texten möglicherweise krisenhafte sind, davon mag der Hamburger Filmemacher und Schriftsteller Finn-Ole Heinrich gar nicht sprechen. Dafür verwundert er sich über die Verwunderung angesichts gelegentlicher erzählerischer Wechsel von Geschlechterperspektiven. Lieber spricht er über das Auffinden des richtigen Tons für seinen Erzählband »Gestern war auch schon ein Tag« (mairisch, 2009), rasante Recherchen und das Verhältnis von Leben, Dreh- und Prosabuch. Die Begegnung mit Heinrich wird sekundiert von einer Momentaufnahme aus dem Buster Keaton-Film »The Navigator« (1924), bei dem sich ein stiller Ozeanriese zum traumhaften Welt-Bild auswächst.
Dateigröße: 7,93 MB, Abspieldauer: 17:19

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Ausgabe 1: Phantombilder
In den seeligen Zeiten des großen Kinos, als es noch Helden gab, die die Aufgaben, vor die sie gestellt wurden, noch lösten wie echte Männer, war von Krisen weit und breit nichts zu sehen. Irgendwann um die Jahrtausendwende, sagt die Medienwissenschaftlerin und Zeitungsredakteurin Ines Kappert, wurden die Probleme zusehends unlösbarer – mithin Teil einer neuen Figur im erzählerischen Spiel: dem Mann in der Krise. Ines Kappert berichtet von einer speziellen Form der Kapitalismuskritik in der Mainstreamkultur. Mit dem amerikanischen Fotografen Joel Sternfeld nähert sich die Momentaufnahme in dieser Ausgabe den utopischen Kleingesellschaften in Nordamerika.
Dateigröße: 17,2 MB, Abspieldauer: 37:39

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